Biografie

Erich Ohser mit Sohn Christian
Erich Ohser mit Sohn Christian, Mitte der 1930er-Jahre

»Ich bin als Sohn geboren und habe mich im Laufe der Jahre zum Vater emporgearbeitet – habe sozusagen von der Pike auf gedient. Meine ersten Jahre verlebte ich in einem einsamen Grenzhaus mitten im Walde, im oberen Vogtlande. Mein Vater war Grenzbeamter und außerdem ein glücklicher und guter Mensch. Die »Vater und Sohn«-Zeichnungen sind Erinnerungen an meine Kindheit, ausgelöst durch die Freude am eigenen Sohn.«

Erich Ohser alias e.o.plauen

Kindheit und Jugend

Kindheit und Jugend

1903–1919

1903

Kurt Erich Ohser wurde am 18. März im vogtländischen Untergettengrün als Sohn des Unterfeldwebels und Grenzaufsehers Albert Paul Richard Ohser und seiner Ehefrau Paula geboren. Das waldreiche westsächsische Grenzgebiet zu Bayern und Böhmen bildete den Hintergrund der ersten Lebensjahre.

1909

Im Frühjahr des Jahres wurde Paul Ohser als Steueraufseher zur Königlichen Bezirkssteuereinnahme in die Vogtlandmetropole Plauen versetzt. Erich ging ab Ostern in eine Plauener Bürgerschule.

1911–1916

Ohser besuchte die Plauener Seminar-Übungsschule, eine Einrichtung, die auf das Lehrerseminar vorbereiten sollte. Unter dem Eindruck des Kriegsgeschehens zeichnete der Schüler die Mappe: Mein Krieg.

Studium und künstlerische Anfangsjahre

Studium und künstlerische Anfangsjahre

1920–1928

1917–1920

Ohser wurde aufgrund der Kriegsverhältnisse Schlosserlehrling und absolvierte die entsprechende Gesellenprüfung mit »Gut« und »Sehr Gut«.

1920–1927

Der passionierte Zeichner war zunächst Abendschüler an der Staatlichen Akademie für Graphische Künste und Buchgewerbe in Leipzig, ab 1921 auch deren regulärer Student unter anderem bei Walter Buhe, Fritz Rentsch, Hans Soltmann und Jan Tschichold. Ohser beendete seine Akademiezeit als Meisterschüler von Prof. Hugo Steiner-Prag, dem 1933 emigrierten Illustrator von Meyrinks Golem.

1922

Erich Ohser erhielt ein Stipendium des Sächsischen Wirtschaftsministeriums aus der Dr.-Karl-Roscher-Stiftung und stellte in der Plauener Buch- und Kunsthandlung Aurich aus. Er lernte den Redakteur der Volkszeitung für das Vogtland, Erich Knauf, kennen und zeichnete für dessen Feuilleton.

1923

Beginn der Freundschaft mit dem Redakteur der »Neuen Leipziger Zeitung« (NLZ) Erich Kästner. Ohsers Karikaturen wurden nun über die »Plauener Volkszeitung« hinaus auch in der NLZ und im »Sächsischen Volksblatt« Zwickau veröffentlicht.

1927

Im Frühjahr betrieben sächsische Zeitungen die Skandalisierung des Kästner-Ohser-Opus: Abendlied des Kammervirtuosen. Der Vorgang führte zur Kündigung des Redakteurs Dr. Erich Kästner und beendete zunächst auch Ohsers Mitarbeit an der NLZ. Kästner zog nach Berlin, Ohser erhielt im April mit sehr gutem Erfolg das Abgangszeugnis der Leipziger Akademie. Er folgte Kästner zum Jahresende in die Reichshauptstadt. Marigard Bantzer, eine Tochter des Malers und Hofrates Professor Dr.-Ing. h.c. Carl Bantzer, und ihr Kommilitone Erich Ohser verliebten sich und gingen eine Beziehung ein.

1928

Der Zeichner reiste nach Litauen. Umschlag und Illustrationen zu Kästners erstem Gedichtband »Herz auf Taille« entstehen. Erich Knauf wurde am 1. Juli Cheflektor der Berliner »Büchergilde Gutenberg«. Ohser zeichnete auch für Knaufs Büchergilde und wird Mitglied der SPD.

Schaffens- und Reisejahre

Schaffens- und Reisejahre

1929–1939

1929

Ohser reiste mit Kästner nach Paris. Der Zeichner illustrierte den 1930 bei der »Büchergilde Gutenberg« erschienenen Band des sowjetischen Autors Michail Soschtschenko: »Die Stiefel des Zaren«. Erzählungen aus dem heutigen Russland. Im September wurde Ohser Karikaturist des sozialdemokratischen »Vorwärts'«.

1930

Ohser und Kästner begaben sich nach Sowjet-Russland. Der Besuch der Städte Moskau und Leningrad sowie die Visite bei Michail Soschtschenko ernüchterten Ohser und schärften den Blick für die politischen und sozialen Verhältnisse in der Sowjetunion. Ohser realisierte den Umschlag und die Vignetten zu Kästners drittem Gedichtband: »Ein Mann gibt Auskunft«. Marie Luise Irmgard (Marigard) Bantzer und Erich Ohser heirateten am 18. Oktober in Marburg.

1931

Ohser zeichnete für die Berliner »Neue Revue« die politischen Satiren: »Dienst am Volk«, »Wohin rollst Du, Goebbelchen!« und »Goebbels macht Toilette«. Sohn Christian wurde am 20. Dezember geboren.

1932

Erich Kästners vierter Lyrikband »Gesang zwischen den Stühlen« wurde von Ohser mit einem Umschlag versehen, der die Stimmung am Ende der Republik von Weimar ausgesprochen treffend charakterisierte und die tiefe Verunsicherung breiter Bevölkerungsschichten illustrierte.

1933–1934

Am 10. Mai 1933 verbrannten die Nationalsozialisten auf dem Berliner Opernplatz nach Karl Marx und Karl Kautsky gleich eingangs Kästners Frühwerk, samt der von Ohser ausgestatteten Lyrik. Die letzten »Vorwärts«-Karikaturen des Zeichners wurden im Februar 1933 gedruckt, allerdings konnte Ohser 1933/34 in der »Neuen Leipziger Zeitung« und im Berliner »Acht-Uhr-Abendblatt« weiter publizieren. Im Januar 1934 wurde jedoch Ohsers Antrag auf Aufnahme in den Reichsverband der deutschen Presse abgelehnt. Schließlich erschienen ab dem 13. Dezember 1934 in der »Berliner Illustrirten Zeitung« (BIZ) »Vater und Sohn« – allerdings nun unter dem Pseudonym e.o.plauen.

1935

Die erste (gelbe) Sammelausgabe »Vater und Sohn« kam auf den Markt.

1936

Die Berliner Staatspolizeistelle bezeichnete Erich Ohser im Januar gegenüber dem Geheimen Staatspolizeiamt Berlin als Dissident. Folglich informierte die Gestapo den Landesverband Berlin im Reichsverband der Deutschen Presse über Ohsers Nichteignung als Schriftleiter und empfahl den Ausschluss aus der Reichskulturkammer (Reichsschrifttumskammer). Ende April hob der Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, Joseph Goebbels, jedoch die Entscheidung des Leiters des Landesverbandes Berlin zu Gunsten Ohsers persönlich auf. Der Pressezeichner wurde endgültig in die Berufsliste der Schriftleiter eingetragen. Anlässlich des Weihnachtsfestes erschien der zweite (rote) Band »Vater und Sohn«.

1937

Im Dezember veröffentlichte die BIZ die letzte »Vater und Sohn«-Geschichte: Das größte Abenteuer.

1938

Der dritte (blaue) »Vater und Sohn«-Band erschien zum Osterfest im Deutschen Verlag (bisher Ullstein). Ohser zeichnete für die BIZ den Nachspann: Was sich »Vater und Sohn« erzählen.

1939

Im Frühsommer besuchte Familie Ohser England. Am 1. September begann der Zweite Weltkrieg.

Kriegsjahre und Denunziation

Kriegsjahre und Denunziation

1940–1944

1940–1944

Ohser karikierte für die ab Mai 1940 neu erscheinende NS-Wochenschrift »Das Reich«. Bis März 1944 wurden auf deren Seiten mehr als 800 seiner Zeichnungen publiziert.

1942

Ohser reiste zur Biennale nach Venedig und stellte im Deutschen Pavillon neben Wilhelm Thöny, Hans Herbert Schweitzer-Mjölnir und Olaf Gulbransson aus.

1943

Ohsers Atelier in der Budapester Straße wurde von Fliegerbomben getroffen. In der Verlustliste führte Ohser 40 vernichtete Zeichnungen auf. Die Wohnung der Familie in Wilmersdorf wurde gleichfalls beschädigt. Marigard und Christian Ohser siedelten nach Reichenbach an der Fils über. Erich Ohser zog mit Erich Knauf nach Berlin-Kaulsdorf, Am Feldberg 3.

1944

Der Hauptmann Bruno Schultz und dessen Ehefrau Margarete denunzierten Ohser und Knauf wegen regimefeindlichen Äußerungen. Am 28. März 1944 verhaftete die Gestapo beide als Wehrkraftzersetzer. Ohser griff dem Urteil vor und nahm sich in der Nacht vom 5. zum 6. April 1944 in der Untersuchungshaftanstalt Berlin Alt-Moabit das Leben. Knauf, vom Präsidenten des Volksgerichtshofes, Roland Freisler, zum Tode verurteilt, wurde am 2. Mai im Zuchthaus Brandenburg-Görden hingerichtet. Die Urne Erich Ohsers, zuerst in Reichenbach an der Fils beigesetzt, konnte, entsprechend Ohsers Wunsch, im Jahre 1968 in das Familiengrab auf dem Plauener Hauptfriedhof überführt werden.

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Die Mitarbeiter der Galerie e.o.plauen stehen Ihnen als Ansprechpartner für alle Fragen zur Verfügung.