Vernissage: Freitag, 11.10.2019, 19.00 Uhr

e.o.plauen war Zeit seines nur 41 Jahre währenden Lebens stets beides: ein versierter Zeichenkünstler und ein Freund der Kinder. Als Erich Ohser 1903 im Vogtland geboren, wurde er erst in Leipzig, dann in Berlin als Illustrator, Karikaturist und Pressezeichner bekannt und unter seinem Pseudonym e.o.plauen mit „Vater und Sohn“ schließlich weltberühmt. Von seinen Freunden, zu denen auch Erich Kästner und Hans Fallada zählten, wurde er als ein großes Kind beschrieben. Mit seiner Lebenspartnerin Marigard Bantzer, die Kinderbücher und Spiele gestaltete, wurde Erich Ohser alias e.o.plauen selbst Vater eines Sohnes.

Der Künstler verstand Kindheit als einen utopischen Ort, ein Paradies voll Fantasie und Fröhlichkeit. Die beliebten Bildgeschichten von „Vater und Sohn“ sind ganz aus diesem Geist gewonnen, obgleich sie in den düsteren Jahren von 1934-37 entstanden waren. Das begeisterte Publikum liebte sowohl die Bildgestalten als auch ihren Schöpfer und erkannte in ihnen eine „Oase der Menschlichkeit“, wie es ein zeitgenössischer Kritiker formulierte. Die Ausstellung geht diesen Spuren nach, die nicht zuletzt auch zum berührenden Schicksal von einem „Vater und Sohn“-Puppenpaar führen.  Mit „Vater und Sohn“ konnte und kann gelacht werden, aber sie waren auch Trost für eine Generation, deren Kindheit im Zeichen von Verfolgung und Krieg stand.

Die Auswahl aus dem reichen zeichnerischen Werk Erich Ohsers  erlaubt darüber hinaus einen Einblick in den künstlerischen Kosmos des unermüdlich Schaffenden – von der Schilderung des menschlichen Lebens in all seinen Facetten bis hin zum Studium der Natur. Die politischen Karikaturen leiten über zu dem Zwiespalt, in den der Künstler geriet, als er sich bereit erklärte, seine Kunst in den Dienst der Kriegspropaganda zu stellen. Jene Zerrissenheit führte direkt in die Tragödie seines Lebensendes, das als Mahnung verstanden werden kann. e.o.plauen verfluchte mit Bezug auf „Vater und Sohn“ seine Henker und ging in der sicheren Überzeugung aus dem Leben, dass seine Bildhelden und sein Werk die bösen Zeiten überdauern werden. Dass sie das tun, davon zeugt einerseits der Enthusiasmus der „Vater und Sohn“-Fans aus aller Welt und andererseits die Verehrung, die seiner Zeichenkunst zu Recht entgegengebracht wird – bis heute.